Ehemalige Kirche St. Johannes Baptist

Katholische Kirche in Magdeburg-Salbke (1909–2019)

Durch die seit den 1830er Jahren entstehenden landwirtschaftlichen Industrien in Salbke kam es zu einem verstärkten Zuzug von Katholiken aus dem Eichsfeld und den preußischen Ostprovinzen. Zunächst wurden sie von der Pfarrei in Magdeburg-Altstadt und später von Buckau aus seelsorgerisch betreut. Mit dem weiteren Anstieg der katholischen Bevölkerung nach der Reichsgründung wuchs der Wunsch nach einer eigenen Kirche.

Am 9. Mai 1909 wurde der Grundstein für die St. Johannes-Baptist-Kirche gelegt. Bereits ein Jahr später erfolgte die Weihe zum vorläufigen Gebrauch. Am 26. Juni 1912 wurde die Kirche durch Bischof Dr. Karl Joseph Schulte feierlich konsekriert. Damit verfügten rund 1.500 Katholiken aus Salbke, Fermersleben, Westerhüsen, Beyendorf, Sohlen und Dodendorf über ein eigenes Gotteshaus.

Die neogotische Backsteinkirche ist eine dreischiffige Staffelhalle mit Querhaus und polygonalem Chor. Der Kirchturm befindet sich an der nordöstlichen Ecke des Gebäudes. Der weiträumige Innenraum wird von einem Kreuzrippengewölbe getragen, das auf Rundpfeilern mit Blattkapitellen ruht.

Obwohl das Gotteshaus am 14. Februar 1945 schwer beschädigt wurde, sind zahlreiche Teile der ursprünglichen Inneneinrichtung erhalten geblieben, darunter der Hochaltar mit neogotischem Aufsatz. Der 1919 vom Münchener Bildhauer Hans Faulhaber geschaffene Kriegsgedenkaltar wurde nach 1986 entfernt; erhaltene Skulpturen sind eingelagert.

Die sechs Farbglasfenster im Chorraum wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vom Glaskünstler Walter Bischof geschaffen. Sie zeigen biblische Motive in figürlicher Darstellung, eingebettet in geometrische Bleiverglasung mit Glasschliff und Schwarzlotmalerei.

Am 1. Oktober 1917 wurde die Filialkirchengemeinde Magdeburg-Südost errichtet, 1938 folgte die Pfarreierhebung. Seit dem 2. Mai 2010 gehörte die Gemeinde zur Kathedralpfarrei St. Sebastian.

Der bauliche Zustand des Gebäudes und die kleiner werdende Gemeinde machten es 2019 notwendig, den Standort aufzugeben. Am 24. November 2019 wurde am Christkönigssonntag nach 109 Jahren der letzte Gottesdienst gefeiert. Die anschließende Nutzung durch die Selbständig Evangelisch-Lutherische Gemeinde war nur von kurzer Dauer. Inzwischen ist die Kirche profaniert. Die verbliebenen Gemeindemitglieder haben in anderen Kirchen der Kathedralpfarrei eine neue Heimat gefunden.

Autor

Ferdinand Pretz